Klimaschutz mit Wild- und Weidetieren?

Der Kreisverband der GRÜNEN Rottweil hat zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit zwei Referenten eingeladen, die das Thema Klimaschutz aus zunächst ungewohnten Blickwinkeln beleuchteten:

Kühe, die Methan ausstoßen leisten ein Beitrag zum Klimaschutz? - Eine provokante These für Menschen, die sich im Sinne ihres ökologischen Fußabdrucks keine oder nur in geringer Menge von tierischen Erzeugnissen ernähren.

Die Referenten Otmar Riedmüller und Dr. Anita Idel mit Kreisvorstandssprecher Hubert Nowack (von links nach rechts)

Wer meinte, dass das Aufeinandertreffen einer Tierärztin und promovierten Agrarwissenschaftlerin und dem Kreisjägermeister, Otmar Riedmüller für unüberbrückbare Gegensätze und eine emotionale Diskussion sorgen würde, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt.

 

Die renommierte und mehrfach ausgezeichnete Expertin Dr. Anita Idel engagiert sich für das Tierwohl in einer zukunftsfähigen Landwirtschaft, die so bewirtschaftet ist, dass die Erde in Zukunft erhalten wird. Leider, so in ihrem Vortag im vollbesetzten Zimmerner Sportheim, treibt die Agrarindustrie die Landwirtschaft in die entgegengesetzte Richtung.

 

Anstelle Ressourcenschonung und -Erhalt wird nur Produktivität, da heißt der Ertrag pro Fläche gesetzt und daran der Erfolg in der Lebensmittelproduktion gemessen. „Wir leben - nicht nur beim Verbrauch fossiler Ressourcen - über unsere Verhältnisse, merken es aber meist in der Landwirtschaft nicht,“ so Frau Dr. Idel.

 

Dauertiefpreise lenken davon ab, dass die tierischen Produkte im Discounter nur scheinbar billig sind. Denn die Erzeugnisse sind mehrfach subventioniert und durch die Verlagerung der Kosten in die Zukunft und auf die Entwicklungsländer nur scheinbar billig. Denn es gibt keine beliebig erweiterbare Fläche und niedrige Arbeitslöhne sorgen auf die Dauer für sozialen Sprengstoff in den Entwicklungsländern.

 

Wieso die Kuh für Frau Dr. Idel kein Klimakiller ist kann sie an diesem Abend vor einem sachkundigen Publikum erläutern. Neben dem Jagdverband saßen kompetente Landwirte mit Biohöfen und konventionellen Höfen im Publikum. Denn so Fr. Dr. Idel, die Bodenfruchtbarkeit muss erhöht werden, denn wir leben von fruchtbaren Ackerböden.

 

 

Die Voraussetzung dafür wurde durch die Beweidung geschaffen. Wenn Weidetiere über Jahrtausende dafür gesorgt haben, dass die Humusdecke gewachsen ist, so trägt die konventionelle Agrarwirtschaft dazu bei, dass sie sich jährlich verringert. Weidetiere erhalten die fruchtbare Humusdecke, wie Frau Dr. Idel erläuterte, und tragen zum Aufbau bei.

 

Die anwesenden Landwirte verweisen darauf, dass es der gängigen Fachpraxis entspricht, die Gräser erst zu schneiden, nachdem der Wachstumsimpuls durch die Wurzel gesetzt ist. Ein Teil der Wurzel der Gräser verrottet nach und nach und wird zusammen mit anderen Pflanzenresten von der lebendigen Erde zu Humus umgewandelt. Dies geschieht auf Weideflächen und diese haben somit das Potential mehr Kohlenstoff zu speichern als jede andere landwirtschaftliche Art der Bodennutzung. Bis heute sind die Weideflächen das größte Ökosystem weltweit, sie speichern um 50 Prozent mehr Kohlenstoff als Waldböden.

 

Daher ist die Kuh kein Klimakiller, sondern trägt über die Weidewirtschaft dazu bei, den Kohlenstoff in der Erde zu binden. Stickstoffdüngung bei der Lachgas frei wird und das Füttern mit Kraftfutter sind der falsche Weg der Agrarindustrie. Die Weidewirtschaft zu fördern ist ein Beitrag gegen den Klimawandel; dem widersprach an diesem Abend keiner der Anwesenden im Publikum. Nur, wie es gelingt, die Landwirtschaft in diese Richtung zu bewegen, war Gegenstand der folgenden Diskussion.

 

 

 

Dass die Förderung der Weidewirtschaft aus Mitteln der europäischen Union ein Beitrag gegen den Klimawandel ist, war für viele eine neue Erkenntnis an diesem spannenden Abend.

 

 

 

Kreisjägermeister Otmar Riedmüller unterstrich in seinem Diskussionsbeitrag die wichtige Rolle der Jäger für den Naturschutz und die Landwirtschaft als verbindendes Glied. Der Wald kann nicht nur auf Gewinn ausgerichtet sein, sonst sind anfällige Monokulturen das Ergebnis. Soviel Unterstützung wie durch die Gemeinde Zimmern werde nicht allen Jagdkreisen zuteil.

 

(Text: Alex Rustler) 

 

 

 

Mehr Informationen hier:

http://www.anita-idel.de/

https://metropolis-verlag.de/Die-Kuh-ist-kein-Klimakiller%21/1381/book.do

http://weidelandschaften.org/

https://www.kjv-rottweil.de/