Europa-Kandidat mit grünem Sofa unterwegs: Gute Gespräche und viel Interessantes über Europa

Der grüne baden-württembergische Spitzenkandidat für das Europäische Parlament, Michael Bloss, war am Dienstag zu Gast in Rottweil. Zunächst traf man sich zum offenen Brezelfrühstück im Café Känzele, wo der 32-jährige Europa-Kenner seine Ideen vorstellte und viele Fragen beantwortete. Bloss zeigte sich zuversichtlich, ins EU-Parlament gewählt zu werden - die aktuelle Klimaschutz-Debatte helfe den Grünen sehr. Noch vor einem Jahr sei das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent gewesen, doch nun "könnte es fast nicht besser laufen!"

Der baden-württembergische EU-Spitzenkandidat Michael Bloss (Mitte) war am Dienstag in Rottweil. (Text und Foto: Moni Marcel)

Michael Bloss, Grüner Spitzenkandidat des Landes Baden-Württemberg für das Europäische Parlament

 

Aber auch der Rechtsruck in Ländern wie Polen, Italien oder Ungarn war Thema. "Europa steht für Frieden, für eine offene Gesellschaft", so Bloss, das stellten die Rechten jedoch in Frage, betrieben Brüssel-Bashing, dabei seien solche umstrittenen Dinge wie die Krümmung der Gurken keine EU-Idee, sondern von den Händlern eingefordert worden. Und die EU sei ziemlich effizient: "Wir haben so viele Beamte wie die Stadt Hamburg!"

 


In der Bevölkerung der rechtsgeführten Staaten wachse die Zustimmung zur EU, man müsse nun sehen, wie man das unterstützen könne. In Polen habe die PIS Sozialleistungen eingeführt, die es unter der Vorgängerregierung nicht gegeben habe und so Wähler gewonnen. In Ungarn vergebe Fidesz viele Jobs, so dass die Menschen sich von der Regierungspartei abhängig fühlten. Zudem sei das Land, das den Euro noch nicht eingeführt habe, sehr stark von der Finanzkrise getroffen und dann nicht, wie beispielsweise Griechenland, von der EU gerettet worden. Orban habe dann mit einer Bindung der Landeswährung Forinth an den Schweizer Franken Stabilität erreicht und so viel Zustimmung bekommen. Außerdem sei die Opposition tief gespalten, so Bloss.

 


"Orban erkauft sich den Zuspruch mit EU-Geldern", so Bloss, und die Korruption könne nicht aufgeklärt werden, weil auch die Justiz in seinen Händen sei. Daher wollten die Grünen erreichen, dass die EU-Gelder direkt an Kommunen und Organisationen ausgezahlt werden und nicht an solche autoritären Regierungen, doch die CDU wehre sich hier noch. Auf Initiative der Grünen wurde jetzt eine europäische Staatsanwaltschaft eingeführt, so Bloss, die hier eingreifen könne. Auch habe man die von der Orban-Regierung geschasste Korruptionsbeauftrage jetzt bei der EU angestellt, damit sie weiter machen könne.

 


Insgesamt sehe es jetzt für die Grünen echt gut aus, viel besser als noch vor einem Jahr, auch in rechts geführten Ländern wie Österreich, wo die Fernsehköchin Sarah Wiener für gute Umfragewerte sorge und die Grünen wie in Großbritannien bei neun Prozent liegen. Bloss betonte, die Arbeit im europäischen Parlament sei sehr spannend, denn man müsse ständig neue Mehrheiten suchen. "Wir Grünen meistern das ganz gut", so Bloss, man habe so schon vieles durchbekommen. Sogar mit der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung arbeite man gut zusammen, allerdings sei man deren Wunsch nach einer gemeinsamen Fraktion nicht nachgekommen angesichts ihres rassistischen Parteivorsitzenden Beppo Grillo.


Seit vier Jahren arbeitet Michael Bloss mit der grünen Spitzenkandidatin Ska Keller zusammen, und er betonte: "Wir müssen diejenigen sein, die gleich nach der Wahl loslegen: Raus aus der Kohle!" Dafür stünden immerhin 55 Milliarden Euro zur Verfügung, "das ist richtig viel Kohle!" Im Anschluss stellte Michael Bloss sein selbstgebautes grünes Sofa vor dem Alten Rathaus auf, wo er, gemeinsam mit den Vertretern der Rottweiler Grünen, viele Gespräche mit Passanten führte.

 

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